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Eine kleine Zeitreise in die Entstehungsgeschichte des Menschen

Maria, Gabi, Vera, Paul, Jürgen und Mammut

Blinde und Sehbehinderte machten einen Ausflug ins nahegelegene Neanderthal östlich von Düsseldorf.
Es war ein herrlicher, sonniger Samstagmorgen, als 27 Mitglieder und Begleitpersonen des Mülheimer Blinden- und Sehbehindertenvereins, BSV-Mülheim e.V. am 7. Juli 2018, mit dem Bus ins nahegelegene Neanderthal fuhren, um dort an einem kleinen Workshop in der Steinzeitwerkstatt und einer Führung durch das bekannte Neanderthal - Museum teilzunehmen.
Am Ort wurden die Mülheimer Besucher von der Museums-Pädagogin, Frau Astrid Bormann, recht herzlich begrüßt und es ging dann nach kurzem Fußmarsch durchs schattige tiefeingeschnittene Naturschutzgebiet Neanderthal' zu einem älteren Gebäude mit einem großen Werkraum. Die Gruppe hatte ihr Ziel erreicht und Frau Bormann erklärte nun den Anwesenden die Herstellung eines steinzeitlichen Schmuckstücks, deren einzelne Teile nun in etwas abgeänderter Form, hergestellt werden sollte.
Den Teilnehmern wurden die dafür benötigten Materialien zur Verfügung gestellt. Die einzelnen "Schmuckteile", wie Holzstücke, Muschelschalen, wurden in der Steinzeit mit primitivsten Werkzeugen, zum Beispiel Bohrer oder Schaber aus Feuerstein, bearbeitet, erklärte Frau Bormann. Bohrer und Unterlage


Hier in der Demonstrationswerkstatt wurden die Löcher in den kleinen Holzscheiben allerdings
mittels eines einfachen Handdrillbohrers hergestellt, oder das Loch in der Muschelschale wurde durch Reiben der Muschelschale auf einem rauen Stein erzeugt. Die so hergestellten Teile wurden anschließend durch einen dünnen Lederfaden zu einem steinzeitlichen Halsschmuck miteinander verbunden.
Die Anfertigung der Halskette forderte von den Sehbehinderten viel Geschick, Geduld und Ausdauer.Nach etwa einer Stunde handwerkliche Tätigkeiten und Information über das Leben hier im Neanderthal vor 40 000 Jahren, ging es dann zurück zum Neanderthal-Museum und dort ins Restaurant "Adi Becher", wo das Mittagessen eingenommen wurde.

Maria bei der Schmuckherstellung
Gut gesättigt vom leckeren Essen ging es nach der Mittagspause dann zum Museum, einem sehr schönen, architektonisch gelungenem Gebäudekomplex, deren einzelne Ausstellungsetagen nicht über Treppen, sondern über leicht schräge Gänge erreicht werden. Dies ist optimal für sehbehinderte mit Langstock, ältere und sehr kleine Besucher, sowie für Rollstuhlbenutzer.
Frau Bormann verteilte im Eingangsbereich für jeden Besucher einen Kopfhörer, sodass jeder ihren sehr detaillierten Beschreibungen der ausgestellten Exponate folgen konnte, auch bei größerem Abstand zu ihr. Maria mit Kette Natürlich war es für die Sehbehinderten sehr schwierig, den Ausführungen im Detail zu folgen, jedoch gab sich Frau Bormann sehr viel Mühe, auch auf kleinste Details manchmal mehrmals hinzuweisen und zu erklären. Die Führung widmete sich der Fundgeschichte und Lebensweise des Neanderthalers und seiner Einordnung in die Menschheitsgeschichte.


Der Neanderthaler ist ein ausgestorbener Verwandter des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens). Der Neanderthaler (wissenschaftlich "Homo neanderthalensis") entwickelte sich in Europa parallel zum "Homo sapiens" in Afrika. Die Funde im Neanderthal sind circa 42000 Jahre alt. Mitte August 1856 entdeckten italienische Steinbrucharbeiter in einem kurz darauf dem Kalksteinabbau zum Opfer gefallenen Abschnitt des Neanderthals einige Knochenfragmente. Sie wurden zunächst achtlos zum Abraum geworfen, fielen jedoch den Steinbruchbesitzern Wilhelm Beckershoff und Friedrich Wilhelm Pieper auf, die 16 größere Knochenteile bergen ließen und Johann Carl Fuhlrott zur Untersuchung übergaben. Durch Presseberichte aufmerksam geworden, begutachtete auch der Bonner Anatom Hermann Schaaffhausen die Knochen und kam zu demselben Ergebnis wie zuvor bereits Fuhlrott: Es handele sich um eine vorzeitliche Form des modernen Menschen.
Neben den nachgebildeten Frühmenschen aus dem Neanderthal gab es auch eine Rekonstruktion von "Lucy", einer aus Fundstücken aus Afrika rekonstruierten Nachbildung eines circa 3,2 Millionen Jahre alten, 1 m großen und etwa 30 kg schweren weiblichen Frühmenschen zu bewundern.


Zur Ansicht herumgereicht wurde auch eine Feuersteinknolle, aus denen die Frühmenschen ihre Werkzeuge wie Messer, Pfeilspitzen, Schaber und anderes hergestellt haben. Zum Schluss der Führung wurde den Besuchern noch ein großer versteinerter Block, circa 25 x 14 x 12 cm, mit sehr rauer und riefiger Oberfläche in die Hand gegeben und man sollte raten, um welches Teil es sich handelt. Nur eine richtige Antwort wurde gegeben, denn es handelte sich um den versteinerten Backenzahn eines Mammuts.
Hier endete der sehr informative und interessante Museumsrundgang mit einer kleinen Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte des Menschen.
Im Museumscafe ließen die Teilnehmer den Tag ausklingen, bevor es wieder nach Mülheim ging. Auf der Heimfahrt drehten sich viele Gespräche über das Erlebte und die erhaltenen Informationen und einige waren sich sehr sicher, dass sie noch einmal dem Neanderthal-Museum und dem Restaurant "Adi Becher" einen Besuch abstatten werden.
(Paul Krämer)

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