Wappen der Stadt Mülheim an der Ruhr (Lange Beschreibung auf einer Extra Seite)

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Presseartikel WAZ

 Rillen sollen Blinde sicher durch die Stadt geleiten.Foto: Monika Kirsch 

Mülheim. Es gibt sie auch in Mülheim, die tickenden oder klackenden Ampeln und die weißen Leitflächen auf dem Asphalt, geriffelt oder mit Noppen. Sie sollen Blinde und Sehbehinderte sicher durch die Straßen und in die Gebäude geleiten. „Hier wurde in den letzten Jahren viel für Sehbehinderte und Blinde gemacht“, sagt Behindertenkoordinatorin Felicitas Bütefür.

 

 

So werde man schon gut und sicher durch die Innenstadt geführt. Doch Verbesserungsbedarf herrscht noch im Bahnhof, noch vor dem ersten Schritt in die Stadt. Wer von den Zügen in Richtung Forum geht, wird nur bis zu der Halle mit den Abgängen zur Stadtbahn geführt. Die Leitlinien enden einfach. Sehbehinderte oder Blinde, die zu den Stadtbahnen und Bussen wollen, sind plötzlich auf sich alleine gestellt.

 

Auch bei der vorhandenen Leitführung zur Innenstadt am Ausgang Eppinghofer Straße wartet eine Gefahr. Das Leitsystem führt knapp einen halben Meter rechts von den Laternenmasten vor dem Bahnhofseingang entlang. Wer mit dem Blindenstock sich von den Rillen führen lässt, droht gegen den Mast zu laufen.

 

Solche unüberlegt angelegten Leitsysteme seien kein Einzelfall, sagt Christa Ufermann. „Manchmal sind die Leitsysteme so nah an Geschäften, dass die Ladenbesitzer ihre Warentische darauf stellen“, sagt die Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins. Noch schlimmer: Manche Rillen seien nicht parallel zur Straße angelegt, sondern führten den Blinden direkt in den Straßenverkehr. „Es gibt noch viele Verbesserungen“, räumt auch Bütefür ein, aber „das ist alles eine Kostenfrage.“ Leitsysteme erforderten umfangreiche Baumaßnahmen.

 

„Es ist schön und gut, dass es gemacht wird, aber es muss auch funktionieren“, kritisiert Ufermann, die selbst von Geburt an blind ist. Nicht nur die Leitstreifen seien teilweise mangelhaft, auch die akustischen Signalgeber an den Ampeln bedürften regelmäßiger Wartung. Seit vergangenen März seien die Ampeln am ehemaligen Kaufhof und am Kaiserplatz nicht richtig getaktet, kritisiert Ufermann: „Es geht alles mal kaputt, aber ich kann nicht nachvollziehen, dass es dann kaputt bleibt.“ Trotz wiederholter Beanstandung bei der Stadt sei eine Reparatur bislang nicht erfolgt.

 

Wesentlich schneller werde Mitmenschen geholfen, die mit dem Rollstuhl oder Rollator in Mülheim unterwegs sind. Immer wieder erhalte Bütefür Anfragen von Mitbürgern, denen eine hohe Bordsteinkante an Kreuzungen zum Hindernis wird. „ So eine Bordsteinsenkung ist in wenigen Wochen erledigt, manchmal schon innerhalb von 14-Tagen“, sagt die Behindertenkoordinatorin.

 

Wenig barrierefreie Straßenbahnen

Wer als Gehbehinderter mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Mülheim unterwegs ist, sollte sich am besten eine Route mit dem Bus aussuchen. Die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) hat ausschließlich Niederflurbusse im Einsatz. Zudem sind zumindest 175 der 244 Haltestellen barrierefrei.

 

Bei der Stadtbahn hingegen haben nur sechs Bahnhöfe einen Aufzug, der zu den Gleisen führt. In den kommenden drei Jahren sollen die Aufzüge für die Haltestellen Mühlenfeld, Humboldtring und Von-Bock-Straße folgen, anschließend einer für die Haltestelle Eichbaum.

 

Größten Nachholbedarf hat die Mülheimer Verkehrsgesellschaft bei der Straßenbahn. Die Mehrheit der Straßenbahnen ist immer noch hochflurig und nicht barrierefrei. Von derzeit 36 Straßenbahnen haben 21 keine barrierefreien Zugang. Komplett barrierefrei ist nur die Linie 112. Bei der 102 versucht die MVG, jede zweite Bahn mit einem niederflurigen Mittelteil einzusetzen, „das sind unsere Hängebauchschweine“, sagt MVG-Sprecher Nils Hoffmann. Auf den Linien 104 und 110 fahren nur hochflurige Fahrzeuge. „Bis 2020 wollen wir eine komplette niederflurige Flotte anbieten“, kündigt Hoffmann an.

 

Aufruf: Wo hat Mülheim noch zu viele Barrierren?

 

Parkplätze für Behinderte sind reichlich und quer verteilt über die Mülheimer Innenstadt auf dem Barrierefreien Stadtplan zu finden. Bei den Behinderten-Toiletten muss das Auge hingegen lange suchen, bis es eine gefunden hat. Nur vier öffentliche Toiletten für Behinderte gibt es laut Plan im ganzen Innenstadtbereich: Forum, Medienhaus, an der Leineweberstraße und im Marienhospital. Nicht eingezeichnet auf dem Plan sind die Behindertentoiletten im Rathaus.

 

„Das ist natürlich viel zu wenig“, kritisiert Felicitas Bütefür. Die Behindertenkoordinatorin hofft, dass möglichst bald im Hauptbahnhof eine weitere gebaut wird. Planungen dazu gibt es, ein fester Termin steht hingegen weiter nicht.

 

Aber selbst mit den vorhandenen Toiletten scheint es Probleme zu geben. „Die im Forum hat nur bis 20 Uhr auf und die an der Leineweberstraße ist oft defekt und nicht benutzbar“, kritisiert Alfred Beyer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Behindertenverbände.

 

Wo gibt es in Mülheim weitere Barrieren für Menschen mit einer körperlichen Behinderung? Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge und Kritik an die Redaktion per E-Mail an redaktion.muelheim@waz.de oder an Eppinghofer Str. 1-3, 45468 Mülheim an der Ruhr.

 

Barrierefreier Stadtplan

Den Barrierefreien Stadtplan gibt es als PDF-Datei unter www.muelheim-ruhr.de/cms/barrierefreier_innenstadtplan1.html oder ausgedruckt beim Service-Center Bauen, hans-Böckler-Platz 5.

 

Björn Bowinkelmann

 

21.09.2012 | 18:19 Uhr

 2012-09-21T18:19:00+0200 

 

 

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